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Die Sanierung der Mägdleinschule
Viele hatten das Haus schon abgeschrieben. Das Kuratorium indes wollte zeigen, dass selbst ein schwer geschädigtes Gebäude noch erhalten werden kann. Die Kosten liegen im Rahmen dessen, was in Pirna bei Sanierungen üblich ist, trotz zusätzlichen Aufwandes bei der Mauerwerkssicherung. Neben Fördermitteln im Rahmen der Stadtsanierung kamen rund 190 TDM an Spenden zum Einsatz, darüber hinaus viele Eigenleistungen der Vereinsmitglieder.
Im Haus können Geschichte und denkmalpflegerische Problemlösungen demonstriert werden. Ein schöner Ausstellungs- und Vortragsraum ist vorhanden.
Unterstützen Sie uns:
- bei der Unterhaltung der Mägdleinschule
- bei der Erhaltung, Pflege und Revitalisierung der Pirnaer Altstadt.
Besucher in unserem Vereinshaus Mägdleinschule sind herzlich willkommen, neue Mitglieder und Spenden erwünscht.
Zeittafel
1317 Erster Nachweis einer Schule in Pirna. Der Standort ist nicht bekannt. 1410 Hinweis auf die Existenz einer Schule an der heutigen Stelle (Name "Schulgäßchen"). 1465 Erster urkundlicher Nachweis der Schule an der Stelle der späteren Mägdleinschule. Jedoch war es damals noch keine Mädchen-, sondern die Knabenschule der Stadt. Der Unterricht der Mädchen galt als nebensächlich oder als Privatsache; für die Mädchen existierte offenbar kein eigenes Gebäude. Aus dieser Zeit ist eine Giebelwand der Schule annähernd vollständig erhalten geblieben, mit spitzbogigen Blendnischen (nicht zugänglich). 1539 Die Einführung der Reformation führt alsbald auch zu einem Aufschwung des Schulwesens, so auch in Pirna. 1540 ist die Frau des Rektors der Knabenschule als Mädchenschullehrerin tätig. 1555 wird beschlossen, die alte (Knaben-)Schule zur "Junckfrau Schule" zu erbauen, weil keine eigene Schule für Mädchen vorhanden, aber sehr nötig ist. Um 1570 Erlaß einer "Schulordnung der Junckfreulein". Hauptinhalt des Unterrichts sind Religion, Beten und Singen. Das Amt des Mädchenschullehrers wird an das Organistenamt geknüpft, doch bürgert es sich ein, daß dessen Frau den Unterricht übernimmt- die "Schulmeisterin". Der große Umbau von 1555 war teilweise ein Neubau auf altem Fundament. Erhalten sind die Umfassungsmauern und die profilierten Fenstergewände im Stil der Renaissance. 1705/08 Erfolgt ein weiterer großer Umbau. Ausgewechselt werden das Dach sowie alle Decken. Dabei werden sämtliche Geschoßebenen um 1,5 m angehoben. 1708 heißt es: "800 fl. bar Geld in die Mägdlein Schule verbauet". Wahrscheinlich weil durch Epidemien 1705 ("Kinderblattern") und 1709 die Schülerzahl stark zurückgegangen war, werden wenig später Räume im Obergeschoß verkleinert. Um 1800 Die Endphase der Nutzung als Schule hat begonnen. Bemühungen um die Durchsetzung der Schulpflicht (schon von Luther gefordert) lassen die Schülerzahlen steigen. Folge: für rund 300 Schülerinnen ist nur ein einziger, 7x7 Meter großer Klassenraum vorhanden und um 1820 gewöhnlich mit über 90 Mädchen gleichzeitig belegt (!). Organist Roesger ist der einzige Lehrer (!), seine Wohnstube im 1. Obergeschoß muß er als "OberSchule" für die Töchter der Honoratioren nutzen, das 2. Obergeschoß dient seiner Familie als Wohnung (die Frau unterrichtet in Sticken und Zeichnen). Gleichzeitig starke Bauschäden. 1824 beschreiben Ratsbaumeister Risse und Setzungen und sagen den Einsturz des Hauses voraus: "wie nahe oder entfernt aber dieser noch ist, läßt sich bey so einem alten Gebäude nicht beurtheilen". 1824 Gegen Ende des Jahres Räumung des Hauses, damit Ende als Schule. In den Folgejahren entscheidende Verbesserungen durch Schulneubau am Klosterhof. 1829 Die alte Schule wird an den Meistanbietenden versteigert. Jetzt Umbau zum privaten Wohnhaus, Neueinziehen von Wänden, neue Treppe, der Hauseingang wird an den Kirchplatz verlegt (bis dahin stets am Schulgäßchen), die schöne zweiflüglige Haustür, lt. einer Inschrift im September 1829 eingebaut, ist bis heute erhalten. Um 1870 wird auch das Dachgeschoß ausgebaut. 20. Jahrhundert Mietshaus. Nachlassende Baupflege, wenig und zuletzt keine Instandsetzungen mehr. Das Haus gelangt schließlich in den Besitz der Kommunalen Wohnungsverwaltung. 1977 Ende als Mietshaus, die letzten Bewohner ziehen wegen des Zustandes aus. 1980er Jahre Wasser dringt bis ins Erdgeschoß, Fäulnis. Teile des Dachstuhls und des Gewölbes im Erdgeschoß stürzen ein. Nach 1990 Notdürftige Sicherung gegen drohenden Absturz von Bauteilen, doch die Schäden schreiten weiter voran. 1996 Sperrung des Kantorgäßchens wegen Einsturzgefahr des Hauses. Es ist abzusehen, daß sich kein privater Interessent finden und über kurz oder lang eine weitere Baulücke am Kirchplatz entstehen wird. 1996 Das Kuratorium Altstadt Pirna will das Haus retten und erwirbt es. 1997-2000 Sanierung des Hauses
Herbst 2000 Einweihung des Bürger- und Vereinshauses "Mägdleinschule".
Mehr über die Mägdleinschule (Geschichte und Restaurierung) siehe Pirnaer Hefte 3 (2000/01).
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